14.05.2009 | KommentareKeine Kommentare

Das Radeln neu erfinden

Es gibt eine Stadt, in der viel in die Pedale getreten wird. Sehr viel mehr als anderswo – dabei ist Rad fahren überall gesund und praktisch. Was wir von Münster lernen können.

Herr Stephan Böhme, Sie sind Verkehrsplaner der Stadt Münster. Warum sind die Münsteraner so gerne mit dem Rad unterwegs? Die hiesigen Bedingungen sind günstig: Es gibt kaum Steigungen, die Wege sind kurz, meist unter fünf Kilometer. Die Innenstadt ist für Autos teilweise gesperrt. Hier leben viele Studenten und Angestellte in Verwaltung oder im Dienstleistungsbereich. Das sind Menschen mit hohem Bildungsniveau, und die fahren eher Fahrrad.
Man fährt also aus Überzeugung? Absolut. Von 100 Fahrten hier in Münster werden fast 40 mit dem Fahrrad gemacht. Das ist einmalig in Deutschland. Gleichzeitig haben wir pro Einwohner aber auch mehr Autos als anderswo. Die Leute fahren also Rad, weil sie wollen, nicht weil sie müssen. In den vergangenen 30 Jahren hat sich ein ganz eigenes Selbstbewusstsein entwickelt: Wenn auch der Oberbürgermeister mit dem Rad zum Termin kommt, ist klar, dass man auch ohne großes Auto wichtig sein kann.
Aber irgendwie muss man ja erst mal auf den Geschmack kommen. Dafür lässt sich eine Menge tun: regelmäßige Aktionstage, Sternfahrten, Wettbewerbe – mit Krankenkassen oder mit dem ADFC, dem Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club, kooperieren. Die Leute müssen sich einmal selbst davon überzeugen, dass das Fahrrad ein tolles Verkehrsmittel für den Alltag ist. Damit das passiert, muss man das Thema im Gespräch halten – und bessere Bedingungen schaffen.
Das hört sich teuer an. Man kann auch mit wenig Geld etwas tun: Vorbeifahrstreifen, mit deren Hilfe Radfahrer neben den Autos an Ampeln heranfahren können, kosten nicht viel und sind sehr effektiv. Wir geben auch einen Fahrradstadtplan heraus, in dem Radwege, Umsteigemöglichkeiten in Bus und Bahn, elektrisch betriebene Luftpumpen und Ausflugslokale eingezeichnet sind. Außerdem engagieren sich ja auch Geschäftsleute: Die Sparkasse zum Beispiel wirbt mit einem Geldautomaten, an dem man noch nicht mal vom Rad absteigen muss, um ihn zu bedienen. Man hält sich einfach an einer Stange fest.

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