Sarah Wiener: Kinder im Vollrausch
Viel Werbung, kaum Aufklärung: kein Wunder, dass viele Teenies zu Alkopops, Bier und Schnaps greifen. Verantwortlich sind wir alle.
Die Typen sind sportlich und gut aussehend, sie hören Musik, feiern coole Partys – so sieht die Welt in Werbespots für Alkohol aus. Es wird suggeriert: Wer trinkt, gehört dazu und hat mehr Spaß im Leben. Was Werbung, die – für mich unfassbar – im TV noch immer vor 20 Uhr gesendet werden darf, verschweigt: Rund 20 000 Kinder und Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren landeten im vergangenen Jahr sturzbetrunken im Krankenhaus. Und die Zahl steigt seit Jahren.
Dabei zeigt eine neue Studie: Je mehr und je früher Kinder Alkohol- Werbung sehen, desto früher greifen sie zur Flasche. Und je früher sie trinken, desto größer ist die Gefahr, dass sie abhängig werden. Trinken bis zum Vollrausch – das lässt sich in Deutschland problemlos umsetzen. Alkohol bekommt man fast rund um die Uhr, zum Beispiel an der Tankstelle. Die meisten Getränke sind bezahlbar, und wer sich geschickt anstellt, umgeht auch locker die Alterskontrollen.
Bar-Betreiber machen es den Teenies noch leichter, indem sie „Flatrate“-Partys organisieren, wo man für einen Fixbetrag so viel trinken kann, wie man möchte. Ich fi nde es normal, dass Jugendliche ihre Grenzen austesten, das gehört zum Erwachsenwerden dazu. Ein Alkoholverbot wäre daher keine Lösung, es würde den Anreiz nur noch erhöhen. Dringend nötig ist jedoch mehr Aufklärung! Untersuchungen haben gezeigt, dass Jugendliche oft gar nicht wissen, welche Mengen Alkohol in den bunten Flaschen enthalten sind und was sie in ihrem Körper anrichten können. Ob Werber, Verkäufer, Eltern, Lehrer oder Gastronomen: Verantwortung am Absaufen unserer Kinder tragen wir alle!










