Kolumne: Erlebnisse einer Schwangeren
Unsere Kollegin Annika Thomé bekommt ein Baby. In ihrer neuen Kolumne lässt sie uns daran teilhaben, was das im Alltag bedeutet.
Teil 2: Geburtsvorbereitung
Die werdenden Väter in der Runde schauen angestrengt neutral. Wir sitzen in einem Kursraum, etwa zehn Paare, und sollen uns vorstellen, eine kernlose Aprikose in unserer Vagina mit den Beckenbodenmuskeln zu zerquetschen. „Muss sie kernlos sein?“, fragt mein Begleiter grinsend. Und ich grüble: Machen Geburtsvorbereitungskurse Sinn? Muss man hecheln lernen? So tun, als hätte man Wehen, um sie dann schnaubend wie ein Pferd wegzuatmen? Vor seinem Mann? Und selbst als Mann? Erst denke ich: Ja, es hilft. Doch dann kommen mir Zweifel.
Als mein Freund mit seiner Schwester, ebenfalls schwanger, über Gebärpositionen fachsimpelt, ist das noch putzig. Aber dann versichert er unserer Hebamme, er fühle sich in dem Geburtshaus, das wir ausgesucht haben, schon wie zu Hause. Wie schön für ihn. Je mehr er weiß, desto lockerer wird er. Je mehr ich weiß, desto fester schließt sich mein Muttermund.
Gut, im Geburtshaus gibt es genügend Spielzeug: Bälle, Gebärhocker, Kletterstangen, Badewanne – alles da. Und um mein Baby fürchte ich auch nicht, obwohl es dort keine Ärzte, sondern nur Hebammen gibt. Nein, eine außerklinische Geburt stelle ich mir vor allem so vor: schmerzhaft. Hebammen dürfen keine PDA legen. Diese Methode, den Unterleib zu betäuben, kommt mir – zumindest drei Wochen vor der Geburt – als größte Errungenschaft der Menschheit vor. „Früher haben die Frauen das auch ohne geschafft“, sagen ganz Schlaue. Ob die sich auch ohne Betäubung Zähne ziehen lassen? Hat man früher schließlich auch so gemacht. „Bin ich ein Weichei, wenn ich irgendwann nicht mehr kann und doch eine PDA haben möchte?“, frage ich meinen Freund. „Nein.“ Er lacht, befiehlt mir, dreimal stoßweise und einmal lang auszuatmen, und sagt: „Wir haben doch gerade gelernt, dass die Kopfhälften des Kindes bei der Geburt noch so weich sind, dass sie sich übereinanderschieben können und so weniger Platz brauchen.“ Das finde ich sehr tröstlich. Geburtsvorbereitungskurse sind eine tolle Sache.











