03.03.2010 | KommentareKeine Kommentare

Sarah Wiener: Gute Ernährung ist doch kinderleicht!

Essenkochen sollte in der Schule unterrichtet werden – doch die Politik stellt sich quer.

Erscheinen die einschlägigen Studien, wird gejammert: Unsere Kinder ernähren sich falsch und sind zu dick. Schon komisch: Keiner stellt infrage, dass Kinder zum Beispiel im Verein Basketballspielen lernen, in der Schule Schreiben und Singen im Chor. Niemand würde erwarten, dass sich diese Fähigkeiten wie im Kinofilm „Matrix“ als Software in den Köpfen installieren lassen. Anleitung, Übung und ein bisschen Mühe gehören zum Lernen einfach dazu. Doch bei so wichtigen Fähigkeiten wie Kochen, Schmecken und dem Wissen um gesundes Essen scheinen häufig nicht nur Eltern, sondern auch Bildungsbeauftragte und Politiker zu glauben, Kinder könnten das ganz ohne Unterricht lernen. Zu Hause stehen stark gezuckerte Frühstücksflocken oder Fertiggerichte auf dem Tisch, die Schulkantine serviert geschmacksverstärkten Einheitsbrei – doch es wird weder gelehrt, wie gutes Essen schmeckt, noch wie man es zubereitet. Damit die Kinder von heute nicht hilflos und unselbstständig in die wundersame Welt der Fertiggerichte entlassen werden, wenn sie groß sind, sollte Essenkochen schon früh als Schulfach angeboten werden. Dafür setze ich mich mit meiner Stiftung ein, die kostenlos Lehrkräfte trainiert. Ich bin stolz auf die Erfolge: Inzwischen wurden rund 300 Lehrer in 23 deutschen Städten ausgebildet. Doch es macht mich nachdenklich, wenn für Koch- und Ernährungskurse kaum Zeit im Schulalltag ist und nur geringe staatliche Mittel eingeräumt werden. Klasse finde ich das EU-Schulobstprogramm: Die EU trägt die Hälfte der Kosten dafür, dass Schüler täglich Obst bekommen. Das ist zwar nur ein Tropfen auf den heißen Stein, wirkt aber trotzdem. Pilotprojekte zeigen, dass selbst Obstmuffel zugreifen. Leider kneifen derzeit noch 7 der 16 Bundesländer – ihr Anteil an den frischen Früchten ist ihnen wohl zu teuer. Wann kommen auch die endlich auf den Geschmack?

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