05.05.2010 | KommentareKeine Kommentare

Sarah Wiener: Sitzen bleiben macht glücklich

Immer mehr Menschen rennen dem To-go-Trend hinterher. Dabei schmeckt es am Tisch viel besser

Aus Wien bin ich und heiße Wiener; Sie können sich denken, dass ich Wortspiele hierzu seit früher Jugend kenne. Jeder nimmt natürlich an, dass ich mich mit panierten Schnitzeln, Psychoanalyse und Kaffeehäusern auskenne. Das Erste und das Dritte stimmt: Nichts gegen ein saftiges Kalbsschnitzel mit knuspriger Hülle und schon gar nichts gegen eine Melange (so heißt eine Zubereitungsart für Milchkaffee bei uns) an einem Marmortisch in einem Café mit Jugendstil-Ambiente und großer Zeitungsauswahl. Tatsächlich besitze ich seit November genau so ein Kaffeehaus in Berlin! Nun stellen Sie sich eine Melange „to go“ vor, zum Mitnehmen. Wahrscheinlich gibt’s das sogar irgendwo. Kein Jugendstil, kein Marmor, keine Zeitung. Stattdessen ein Styroporbecher, in dem der Milchschaum oben an den Deckel schwappt, während man das Gebräu durch einen kleinen Schlitz kippt, sich den Mund verbrennt und vielleicht an „Sex and the City“ denkt, das diesen „to go“-Stil cool gemacht hat. Ein Graus, wie wir Wiener sagen. Gerade lese ich, dass laut einer Umfrage 66 Prozent der Menschen eine „hohe Affinität“ zur „Unterwegsversorgung“ haben; die Männer hauen die Sachen gleich im Gehen weg, die Frauen warten wenigstens bis zum Bus oder zur U-Bahn. Nicht dass mir die Idee des „to go“ so fremd wäre: Ich bin viel unterwegs, man hat mich schon mal mit einem Sandwich oder einer Wasserflasche – na gut, sogar ganz selten mit einem Kaffee – in der Hand gehen sehen. Am Bahnhof ist oft nichts anderes möglich. Nicht schön, nicht gesund, aber manchmal nötig. Nur passen Styropor, Straße und Genuss für mich nicht zusammen. Die meisten „coffees to go“ werden ja auf dem Weg ins Büro balanciert und die Melange dabei in Deutschland lapidar „Käffchen“ genannt. Dort, finde ich, beim Rechnerhochfahren und Postsichten, ist ein Grad an halbwegs kultivierter Ruhe erreicht, zu dem ein Genussmittel passt. Käffchen „to sit“, da bin ich dabei. Und backe sogar Kekse für alle.

Mein Liebling des Monats: Erdbeeren

Sarah Wieners Erdbeer-Smoothie

Zutaten für 4 Portionen:
400 g Erdbeeren, 200 g Naturjoghurt,
1 Bund Minze, 2 Kugeln Vanilleeis,
3 EL Honig
Zubereitung: Die Erdbeeren waschen, abtropfen lassen und putzen. In kleine Stücke schneiden und zusammen mit dem Joghurt in einem Barmixer oder mit dem Pürierstab aufschlagen. Die Minze waschen und trocken schütteln. Die Blättchen abzupfen und in feine Streifen schneiden. Mit dem Vanilleeis und dem Honig zu der Erdbeer-Joghurt-Mischung geben und alles noch einmal gut mixen.

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